Europäische Urheberrechtsabgabe ist keine Lösung – Brief an Herrn Oettinger

Sehr geehrter Herr Oettinger,

zunächst möchten wir Sie zu Ihrem neuen Amt beglückwünschen, das für die Mitglieder unseres Verbandes, zu denen vornehmlich professionelle Bildagenturen zählen, von Bedeutung sein dürfte. Ihr gleich am Anfang Ihres Amtes geäußertes Petitum für eine Urheberrechtsabgabe sehen wir mit einer erheblichen Sorge und bitten Sie, diese im Grundsatz zu überdenken.

Den Bildanbietern ist bewusst, dass der Vertrieb kreativer Inhalte einem gewaltigen Transformationsprozess unterliegt: Haptische Werkstücke werden durch beliebig kopierbare Dateien ersetzt; das Internet und vor allem Soziale Netzwerke gewährleisten weit reichende Vertriebskanäle; gleichzeitig gehen die Einnahmen der Verwertungsgesellschaften zurück, weil Speichermedien bei rasant ansteigenden Kapazitäten immer günstiger werden; eine Abgrenzung zwischen Speichermedium und Verbreitungsmedium wird bei Cloud-Angeboten bald nicht mehr möglich sein.

Eine pauschalierte Urheberrechtsabgabe sehen wir nicht als Lösung an, weil sie den Plattformbetreibern im Gegenzug gesetzlich festgelegte Freiräume gewähren soll, gegen die sich einzelne Urheber dann nicht mehr wehren können. Zudem lehrt die Erfahrung, dass Einnahmen aus kollektiver Wahrnehmung lediglich einen Bruchteil der bei einer individuellen Wahrnehmung erzielbaren Erträge ausmachen. Wird allzu leicht ein Vertriebsbereich unter die kollektive Wahrnehmung gestellt, kann das schnell zur Vernichtung heutiger und vor allem zukünftiger Einnahmequellen führen. Dass Urheber dann nur noch tatenlos dem Treiben Googles zusehen sollen, kann von keinem gewollt sein.

Wir verfolgen die Aktivitäten der neuen EU-Kommission mit großem Interesse. Bei Bedarf bringen wir uns gerne in die zu erwartenden Diskussionen ein.

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Koch BVPA / Justiziar

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